Warum ist Wissen zur Kinderreanimation wichtig?
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand bei Kindern ist extrem selten. 2024 waren nur 1,2 % der außerhalb des Krankenhauses wiederbelebten Patient:innen in Deutschland unter 18 Jahren (inklusive Verkehrsunfälle usw.). Das soll keine Angst machen, sondern beruhigen: Herzkreislaufstillstände von jungen Menschen kommen also sehr selten vor. Fachlich fundiertes Wissen hilft dir im Ernstfall besonnen reagieren zu können und erste Maßnahmen zur Rettung des Kindes einzuleiten. Aber allgemein gilt: Je mehr Grundkenntnisse in Wiederbelebung in der Bevölkerung verbreitet sind, desto mehr profitieren von einem Herzkreislaufstillstand betroffene Personen – unabhängig von ihrem Alter: Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Und: Die 112 (Leitstelle der Feuerwehr und des Rettungsdienstes) begleitet dich per Anleitung am Telefon bei einer Reanimation Schritt für Schritt.
In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Maßnahmen, die für die Wiederbelebung von Kindern in den aktuellen Leitlinien von 2025 empfohlen werden.
Wiederbelebung Kind: Das Wichtigste auf einen Blick
Bei Menschen über einem Jahr werden die Atemwege durch das Überstrecken des Kopfes geöffnet. Nur so können Atemkontrolle und ggf. erforderliche Beatmung problemlos erfolgen.
Bei Neugeborenen und Säuglingen muss der Kopf aufgrund anatomischer Besonderheiten in eine Neutralposition gebracht werden. (Nasenspitze senkrecht nach oben)
Prüfen – Rufen (112) – Drücken (Reanimieren)
Eigene Sicherheit & Umgebung
Schau kurz: Straße, Wasser, Strom? Erst wenn es sicher ist, geh zum Kind.
Reaktion prüfen – laut Ansprechen, sanft Berühren
Rufe den Namen (falls bekannt), berühre die Schulter (beim Säugling die Fußsohle). Keine Reaktion?
Sofort 112 anrufen – Lautsprecher an
Schalte das Handy auf Lautsprecher und bleib dran. Die Leitstelle führt dich Schritt für Schritt durch den Notruf – und falls erforderlich auch durch die Wiederbelebung (Telefonreanimation).
Atmung prüfen – maximal 10 Sekunden
Atemwege freimachen:
Kind über 1 Jahr: Kopf leicht überstrecken, Kind unter 1 Jahr: Kinn leicht anheben, Kopf in Neutralposition bringen
Sehen – Hören – Fühlen: Hebt sich der Brustkorb? Hörst/fühlst du einen Luftstrom?
Zweifel? = keine normale Atmung. Schnappatmung gilt als nicht normal. Prüfe nicht länger als 10 Sekunden.
Jetzt mit Wiederbelebung Kind beginnen
Bleib am Telefon – die Leitstelle unterstützt dich.
Beim Kind: 5 Beatmungen zu Beginn, dann 30x Herzdruckmassage und 2x Beatmen im Wechsel
Wenn du die Beatmung nicht schaffst, ist nur Drücken immer noch klar besser als nichts – die Leitstelle unterstützt dich.
Häufige Fehler in Minute 1 – und wie du sie vermeidest
- Zu langes Schauen: Atemkontrolle auf max. 10 Sekunden begrenzen.
- Ohne Notruf starten: immer zuerst 112, Lautsprecher an.
- Zögern wegen Beatmung: Nur Drücken ist viel besser als gar nichts.
So geht Wiederbelebung bei Kindern – In 5 einfachen Schritten erklärt
Achte darauf, dass du dich für die Wiederbelebung in einer sicheren Umgebung befindest. Bringe dich für die Wiederbelebung oder die Rettung nicht selbst in Gefahr. Straßen, Gewässer, Feuer und Strom können auch dein Leben bedrohen.
Merke dir am besten für immer: Jeder Mensch der bewusstlos ist (nicht reagiert) und nicht normal atmet (gar nicht oder Schnappatmung) muss wiederbelebt werden!
Schritt 1: Fünf anfängliche Atemspenden
- Warum? Bei Kindern startet ein Kreislaufstillstand häufig mit einem Atemproblem – deshalb zuerst beatmen.
- So geht’s: Atemwege öffnen (Kind über 1 Jahr: Kopf überstrecken; Kind unter 1 Jahr: Kopf neutral). Kind: Mund-zu-Mund (Nase zuhalten). Säugling: Mund-zu-Mund-und-Nase.
- Dosierung: Jede Atemspende etwa 1 Sekunde, nur so stark, dass sich der Brustkorb sichtbar hebt. Insgesamt 5 Atemspenden, dann weiter mit Herzdruckmassagen.
Schritt 2: Herzdruckmassage – „Drücken, Beatmen, zählen“
- Handposition: Mitte des Brustbeins (untere Hälfte).
- Tempo und Tiefe: 100–120/Minute, Tiefe ca. ein Drittel der Brustkorbhöhe (bei Jugendlichen wie beim Erwachsenen 5–6 cm). Nach jedem Druck vollständig entlasten, nicht auf Betroffenem abstützen.
- Verhältnis: Für ungeschulte Laien gilt 30 Herzdruckmassagen : 2 Beatmungen – Das Verhältnis 15:2 nur bei speziell in Pediatric Basic Life Support (PBLS) Geschulten oder wenn die Leitstelle das so anleitet. Wenn Beatmung nicht möglich ist: Nur Drücken ist besser als nichts.
Schritt 3: Automatisierter Externer Defibrillator (AED) – was er ist und wie du ihn benutzt
Kurz erklärt:
- Ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) ist ein öffentlich zugängliches Gerät, das den Herzrhythmus automatisch prüft und – nur wenn nötig und sicher – einen elektrischen Schock empfiehlt bzw. auf Knopfdruck abgibt. Das Gerät spricht mit dir, zeigt Bilder und führt dich Schritt für Schritt – ohne medizinische Vorkenntnisse.
- Kinder-spezifisch: Bei Kindern ist selten eine primär herzbedingte Ursache für einen Herzkreislaufstillstand verantwortlich; ein elektrischer Schock durch den Defibrillator wird deshalb seltener gebraucht. Wenn ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) verfügbar ist, nutze ihn trotzdem. Ideal wäre ein Kindermodus beziehungsweise Kinderelektroden (Pads); wenn nicht vorhanden, verwende den regulären Erwachsenenmodus.
Elektroden (Pads) richtig kleben:
- Immer auf nackte Haut, die Pads dürfen sich nicht berühren.
- Säugling und Kind bis ca. 25 kg (Faustregel unter 8 Jahren): Vorn–hinten kleben (Brust und Rücken) – ein Pad vorn links neben dem Brustbein, das andere hinten zwischen die Schulterblätter. – Diese Position ist bei einem primär für Erwachsene gedachtem Gerät in der Regel nicht eingezeichnet.
- Jugendliche (körperlich wie Erwachsene): Erwachsenen-Position vorn–seitlich – ein Pad rechts oben auf den Brustkorb (unterhalb des Schlüsselbeins neben dem Brustbein), das zweite links seitlich unterhalb der Achsel. Hier liegt in der Regel eine Anleitung in Form eines Piktogramms vor.
Ablauf:
- Gerät einschalten, Anweisungen befolgen, niemand berührt das Kind während der Analyse des Herzrhythmus.
- Nach einem durchgeführten Schock sofort wieder mit Herzdruckmassagen beginnen, Unterbrechungen so kurz wie möglich halten.
- Der automatisierte Externe Defibrillator wird automatisch alle 2 Minuten eine neue Analyse des Herzrhythmus durchführen – dabei darf die Person nicht berührt werden. Das Gerät sagt dies aber an.
- Wichtig: Das Gerät wird bei Kindern in den seltensten Fällen überhaupt einen Schock empfehlen. Wenn kein Schock erforderlich ist, kommuniziert das Gerät dies deutlich. Auch ohne erfolgten bzw. erforderlichen Schock soll unverzüglich mit der Wiederbelebung fortgefahren werden.
Schritt 4: Im 2-Minuten-Rhythmus weiter – Qualität vor Geschwindigkeit
- Ziel: Gleichmäßige, ausreichend tiefe Herzdruckmassagen, volle Entlastung.
- Zu zweit? Alle ca. 2 Minuten wechseln – z.B. wenn der AED eine Rhythmusanalyse durchführt; die Leitstelle gibt ggf. den Takt vor und unterstützt mit sinnvollen Hinweisen.
Schritt 5: Zeichen von Leben? – Beobachten und bereit bleiben
- Anzeichen: Normale Atmung, Husten, Bewegung. Zur Erinnerung: Eine Schnappatmung ist keine normale Atmung.
- Dann: In eine stabile Seitenlage bringen (wenn angemessen), Atmung überwachen, auf den Rettungsdienst warten. Wenn die Zeichen wieder verschwinden, sofort mit der Wiederbelebung fortfahren.
Altersbesonderheiten und Definitionen – Säugling, Kind, Jugendlicher
Aufgrund anatomischer und physiologischer Unterschiede unterscheiden sich Kopfposition, Beatmung, Handposition und die richtige Platzierung der Defibrillationselektroden (Pads) je nach Alter und Körpergröße. Die folgenden Punkte helfen dir, im Notfall schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Säugling (unter 1 Jahr)
- Kopf und Atemwege: Kopf neutral halten, Nasenspitze zeigt senkrecht nach oben (nicht überstrecken), Kinn anheben. Atemspenden: Mund-zu-Mund-und-Nase. Fünf Anfangsbeatmungen, dann weiter mit dem üblichen Zyklus 30:2.
- Herzdruckmassage: Zwei-Daumen-Umfassung des Brustkorbs (Hände umfassen den Brustkorb, Daumen auf dem unteren Drittel des Brustbeins). 100–120/Minute, Tiefe ca. ein Drittel der Brustkorbhöhe. Nach jedem Druck vollständig entlasten.
- Automatisierter Externer Defibrillator (AED): Wenn vorhanden, Kindermodus bzw. Kinderelektroden (Pads) aktivieren. Pads vorn–hinten kleben: eines vorn links neben dem Brustbein, das andere mittig zwischen die Schulterblätter. Die Pads dürfen sich nicht berühren. Ist kein Kindermodus vorhanden, verwende den Erwachsenenmodus – besser als gar nicht defibrillieren.
Kind (ca. 1-12 Jahre)
- Kopf und Atemwege: Kopf leicht überstrecken, Kinn anheben. Atemspenden: Mund-zu-Mund, dabei Nase zuhalten. Fünf Anfangsbeatmungen, dann weiter mit Kompressionen. Auf sichtbare Brustkorbhebe achten; bei Bedarf Kopfposition korrigieren.
- Herzdruckmassage: Je nach Körpergröße eine oder beide Hände auf die untere Hälfte des Brustbeins. 100–120/Minute, Tiefe ca. ein Drittel der Brustkorbhöhe. Pausen minimieren, vollständig entlasten.
- Automatisierter Externer Defibrillator (AED): Unter ca. 25 kg (Faustregel unter 8 Jahren) Kindermodus nutzen sofern vorhanden. Pads vorn–hinten kleben (vorn links neben dem Brustbein, hinten zwischen die Schulterblätter). Bei größeren Kindern (über 25 kg) sind vorn–seitlich (anterolateral) oder vorn–hinten möglich – wähle die Position, bei der sich die Pads sicher nicht berühren.
Jugendliche (ab Pubertät/Körperbau wie Erwachsene)
- Kopf und Atemwege: Kopf wie beim Erwachsenen weit überstrecken. Atemspenden: Mund-zu-Mund, dabei Nase zuhalten. – Fünf Atemspenden zu Beginn können je nach Situation sinnvoll sein, sind aber bei Weitem nicht mehr so entscheidend wie bei jüngeren Kindern.
- Herzdruckmassage: Wie beim Erwachsenen: 100–120/Minute, 5–6 cm Tiefe, vollständige Entlastung.
- Automatisierter Externer Defibrillator (AED): Erwachsenenmodus verwenden. Pads vorn–seitlich (anterolateral) kleben: eines rechts oben auf den Brustkorb unterhalb des Schlüsselbeins, das zweite links seitlich unterhalb der Achsel.
Sicher handeln, wenn’s drauf ankommt:
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Häufige Ursachen – und was das für die Reanimation bedeutet
Bei sonst gesunden Kindern ist ein Herz-Kreislauf-Stillstand meist Folge von Sauerstoffmangel (Hypoxie) – zum Beispiel durch Atemprobleme oder Ertrinken. Primär herzbedingte Ursachen sind deutlich seltener als bei Erwachsenen. Genau deshalb betonen die Leitlinien bei Kindern die fünf Anfangsbeatmungen und die Kombination aus Beatmen + Drücken.
Das sind häufige Gründe für einen Herzkreislaufstillstand bei einem Kind
Atemprobleme (Infekte, Asthma, allergische Reaktion, Rauchgas)
Erstmaßnahmen in aller Kürze:
112 anrufen, Atemwege öffnen, 5 Anfangsbeatmungen geben, nach Lebenszeichen suchen, dann 30 : 2, wenn erforderlich. Wenn Beatmung nicht gelingt: nur drücken; die Leitstelle (112) leitet dich telefonisch an.
Warum: Häufigster für einen Herzkreislauf-Stillstand bei Kindern ist der Sauerstoffmangel. – Bekommt das Herz zu lange zu wenig Sauerstoff schlägt es zunächst zunehmend langsamer und bleibt dann stehen.
Fremdkörper in den Atemwegen (Erstickungsnotfall)
Erstmaßnahmen in aller Kürze – mehr in unserem Artikel:
Einschätzen: Wirksamer Husten? Nur beobachten. Ineffektiver Husten/keine Luft – Kind aber noch bei Bewusstsein: altersabhängige Maßnahmen (5x Rückenstöße, dann 5x Brustkorbkompression bzw. Heimlich-Manöver, je nach Alter).
Wird das Kind bewusstlos: spätestens jetzt 112 anrufen, sofort Wiederbelebung nach Schema – Beatmungen sollen versucht werden!
Warum: Unbehandelte Atemwegsverlegung führt rasch zur Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie) und endet unbehandelt in einem Kreislaufstillstand.
Ertrinken
Erstmaßnahmen in aller Kürze:
112 anrufen, Kind aus dem Wasser in Sicherheit bringen, Eigenschutz beachten.
Priorität Beatmung: 5 Anfangsbeatmungen, dann 30 : 2, Automatisierten Externen Defibrillator so früh wie möglich anschließen. Nasse Haut kurz abtrocknen, bevor du Elektroden (Pads) klebst. Wärme erhalten.
Warum: Ertrinken verläuft meist von Atemstillstand zu Kreislaufstillstand – daher Beatmung zuerst. Gilt unter diesen Umständen sogar für Erwachsene.
Trauma/Unfall (inkl. schwere Gewalt gegen Kinder)
Erstmaßnahmen in aller Kürze:
112, massive Blutungen nach außen mit direktem Druck kontrollieren, möglichst ohne eine nötige Wiederbelebung unnötig zu verzögen. Bei fehlender oder nich normaler Atmung: sofort Reanimation nach Schema; Halswirbelsäule möglichst wenig bewegen. Aber: Atemwege müssen frei sein, Kopf muss im Zweifel überstreckt werden.
Warum: Schwere Unfälle können zum Herzkreislauf-Stillstand führen. Der Vollständigkeit halber: Nicht-accidentelle Gewalt (Misshandlung) ist eine relevante Ursache schwerer kindlicher Verletzungen bis hin zum Kreislauf-Stillstand, besonders bei Säuglingen und Kleinkindern.
Vergiftungen/Überdosierungen
Erstmaßnahmen in aller Kürze:
112 anrufen, dann nach Schema beatmen und drücken; keine Hausmittel, kein Erbrechen auslösen. Bei bekannter Substanz Info an die Leitstelle und/oder Giftnotrufzentrale (030-19240) und/oder Rettungsdienst weitergeben.
Warum: Die Atmung kann ausfallen; für Laien ändert sich die Akut-Reanimation nicht.
Stromunfälle
Erstmaßnahmen in aller Kürze:
112 anrufen, nur helfen, wenn die Stromquelle sicher getrennt ist (Eigenschutz!).
Danach Standard-Algorithmus: 5x Atemspenden zu Beginn, dann 30 : 2, Automatisierten Externen Defibrillator anschließen
Warum: Elektrische Verletzungen können Herzrhythmusstörungen auslösen; für Laien bleibt die Reanimation gleich. AED unbedingt verwenden falls möglich.
Hinweis zu Vorerkrankungen:
Bei Kindern mit bekannten Herzfehlern oder Rhythmusstörungen kann die Ursache häufiger kardial sein – für dich als Laien ändert sich das Vorgehen in der Akutsituation nicht: Schema wie oben, Automatisierten Externen Defibrillator anschließen, Anweisungen befolgen.
Medizinische Hintergründe – kurz & verständlich
Bei Kindern ist ein Problem mit der Atmung einer der häufigsten Gründe für einen Herz-Kreislauf-Stillstand: Sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut (zum Beispiel nach Ertrinken, bei schwerem Infekt oder Asthma), reagiert das Herz zunächst mit Verlangsamung (Bradykardie) und kann anschließend komplett aussetzen. Schon in der Phase des langsamen Herzschlags kann ein Kind bewusstlos sein, weil pro Minute nicht mehr genug Blutvolumen in Gehirn und Organe gepumpt wird. Genau deshalb können bereits frühe, wirksame Atemspenden die Situation verbessern, indem sie den Sauerstoff im Blut erhöhen – und darum startet die Kinder-Wiederbelebung mit fünf Anfangsbeatmungen, bevor du im Verhältnis 30x Herzdruckmassage : 2x Beatmung weitermachst. Gemäß den Leitlinien zur Wiederbelebung von Kindern gilt für geschulte Personen (z.B. Erzieher:innen oder med. Fachpersonal) das Verhältnis 15:2. Grund hierfür ist eine Höhergewichtung der Beatmung – in Anlehnung an die häufigsten Gründe für Herzkreislaufstillstände bei Säuglingen und Kindern. Um das Thema Wiederbelebung insgesamt aber nicht zu kompliziert zu machen gilt für alle Laienhelfer bei jeder Wiederbelebung pauschal der Rhythmus 30:2.
Die Herzdruckmassage übernimmt mechanisch, was sonst das Herz leistet: Sie ersetzt den Herzschlag. Jeder Druck auf das Brustbein treibt Blut nach vorn, das vollständige Loslassen lässt das Herz sich wieder füllen. Wirksam bleibt das nur mit 100–120 pro Minute, der richtigen Tiefe (bei Kindern etwa ein Drittel der Brustkorbhöhe, bei Jugendlichen 5–6 cm) und möglichst kurzen Unterbrechungen – denn jede Pause senkt sofort den Druck im System.
Warum das Thema Beatmung von Kindern einen so hohen Stellenwert hat
Bei Säuglingen sind anatomischen Unterschiede besonders ausgeprägt. Man muss sie kennen, um den Kopf in eine korrekte Position für eine Beatmung bringen zu können: Der Kehlkopf liegt höher im Rachen, und der Hinterkopf ist relativ größer. In Rückenlage fällt das Kinn dadurch eher zur Brust, die Atemwege können „zuklappen“. Darum gilt beim Säugling die Neutralposition: Kinn anheben, nicht überstrecken – Merksatz: „Nasenspitze zeigt zum Himmel“.
Fun Fact: Die Position des Kehlkopfes ist der Grund, warum Säuglinge gleichzeitig Schlucken und Atmen können. Sobald der Kehlkopf mittig im Hals liegt – und das passiert automatisch mit dem Längenwachstum des Halses – verschließt der Kehldeckel die Luftröhre beim Schlucken.
Ab dem 1. Geburtstag (Kleinkind/Kind) wird der Kopf regulär überstreckt, um die Atemwege zu öffnen – und diese Regel gilt dann für alle Altersstufen bis ins hohe Lebensalter.
Richtig positioniert, reichen sanfte, etwa einsekündige Atemspenden, sodass sich der Brustkorb sichtbar hebt; danach geht es ohne Zögern mit den Brustkorbkompressionen weiter.
Der Automatisierte Externe Defibrillator (AED) prüft den Herzrhythmus automatisch und gibt nur dann einen Schock frei, wenn das nötig und sicher ist. Bei Kindern ist ein schockbarer Rhythmus seltener als bei Erwachsenen – anschließen solltest du den AED dennoch früh, wenn er verfügbar ist. Kindermodus/Kinder-Elektroden (Pads) sind ideal; wenn nicht vorhanden, verwendest du den Erwachsenenmodus. Die Elektroden (Pads) klebst du bei kleinen Kindern vorn–hinten (vorn links neben das Brustbein, hinten zwischen die Schulterblätter), bei Jugendlichen vorn–seitlich; wichtig ist, dass sich die Klebeelektroden (Pads) nicht berühren. Nach abgegebenem Schock ist Berühren wieder gefahrlos, und die Herzdruckmassage wird sofort fortgesetzt. Einen AED holst du nur, wenn genug Helfende da sind – niemand lässt ein Kind allein; der Beginn der Maßnahmen (bei Kindern: Beatmung zuerst) darf nicht verzögert werden.
Qualität macht den Unterschied
Bei der Wiederbelebung von Kindern zählen ein gleichmäßiger Takt, die richtige Tiefe, vollständiges Loslassen nach jeder Kompression und so wenig Unterbrechungen wie möglich. Orientiere dich an 100–120 Kompressionen pro Minute. Wenn dich die Leitstelle (112) per Telefon anleitet, geben Leitstellen in der Regel einen Taktton (Metronom) vor oder zählen laut mit; einige Automatisierte Externe Defibrillatoren unterstützen zusätzlich mit Takt- und Sprachansagen. Drücke in der Mitte des Brustbeins ungefähr ein Drittel der Brustkorbhöhe (bei Jugendlichen wie beim Erwachsenen etwa 5–6 cm) und lass den Brustkorb nach jedem Druck vollständig hochkommen – nur so füllt sich das Herz wieder mit Blut.
Merke: Das Durchführen einer Herzdruckmassage ersetzt den Herzschlag des betroffenen Menschen. Nach jeder Beatmung geht es ohne Zögern zurück auf den Brustkorb; wenn ein Automatisierter Externer Defibrillator einen Schock abgegeben hat, ist der Mensch sofort wieder gefahrlos berührbar und die Herzdruckmassage wird unmittelbar fortgesetzt. Wenn du dir grundsätzlich zutraust eine Beatmung durchzuführen, darf die Beatmung insbesondere bei Kindern nicht unterlassen werden.
Zu zweit arbeitet ihr am besten mit klaren Rollen und regelmäßigen Wechseln: Eine Person drückt und zählt laut, die andere beatmet, achtet auf vollständige Entlastung, bereitet den Automatisierten Externen Defibrillator vor und organisiert andere Helfende sowie die Einweisung des Rettungsdienstes. Wechselt etwa alle zwei Minuten, weil die Drucktiefe unbemerkt abnimmt, wenn man ermüdet – und das passiert zwangsläufig. Nutzt „natürliche“ Wechselpunkte, zum Beispiel die Analysephase des Defibrillators oder das Ende eines 30er-Blocks, und kündigt den Wechsel kurz an, damit er flüssig funktioniert. Wichtig: Einen Defibrillator holt man nur, wenn mehrere Helfende vor Ort sind und bekannt ist, wo er hängt. Niemand lässt ein Kind allein liegen, um einen Defibrillator zu suchen. Das Holen darf den Beginn der Wiederbelebung – bei Kindern vor allem die fünf Anfangsbeatmungen – auf keinen Fall verzögern.
Unterbrechungen – wann kurz pausieren? Erlaubt und sinnvoll sind kurze Pausen für die zwei Atemspenden, für die Analyse des Automatisierten Externen Defibrillators (währenddessen darf niemand den Patienten berühren) und für die eigentliche Schockabgabe (sofern vom Gerät als notwendig erachtet). Zusätzlich darfst du unterbrechen, wenn sichere Lebenszeichen auftreten oder sich der Mensch aktiv gegen die Maßnahmen wehrt – dann beendest du die Reanimation und überwachst die Atmung. Sichere Lebenszeichen sind zum Beispiel normale, regelmäßige Atmung, Husten oder zielgerichtete Bewegungen. Eine Schnappatmung ist kein sicheres Lebenszeichen und keine normale Atmung; sie kann zwar ein Hinweis darauf sein, dass eure Maßnahmen Wirkung zeigen, ist aber selten und darf nicht dazu führen, die Herzdruckmassage zu früh zu stoppen. Im Zweifel gilt: lieber weitermachen – korrektes Drücken schadet weniger, als eine notwendige Reanimation zu unterbrechen. Die Herzdruckmassage ist die Hauptaufgabe der Wiederbelebung; die Zeit, in der sich das Blut nicht bewegt, soll so klein wie möglich bleiben.
100–120 pro Minute sind das Ziel – aber wenn du nur mit etwa 90 pro Minute dauerhaft saubere Herzdruckmassagen mit ausreichender Tiefe, vollständiger Entlastung und minimalen Pausen schaffst, ist das besser: Qualität vor Geschwindigkeit. Bewahre einen kühlen Kopf und richte deinen Fokus immer wieder auf die Qualität der Maßnahmen – sie ist es, die am Ende Leben retten kann.
Recht und Sicherheit in Deutschland (Achtung: Keine Rechtsberatung, nur allgemeine Hinweise)
In Deutschland musst du helfen, wenn es dir zumutbar ist – das steht in § 323c StGB (Unterlassene Hilfeleistung). Helfen heißt für Laien vor allem: 112 anrufen, die Anweisungen der Leitstelle befolgen und Erste Hilfe bzw. Wiederbelebung beginnen. Du sollst dich dabei nicht selbst gefährden; zumutbar ist nur, was ohne erhebliche Eigengefährdung machbar ist.
Haftung: Wenn du in guter Absicht hilfst, trägst du in der Regel kein persönliches Risiko. Zivilrechtlich haften Nothelfer nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit. Das soll dir die Angst nehmen, „etwas falsch zu machen“.
Versicherung: Wer hilft, steht unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung (SGB VII). Schäden, die dir bei der Hilfeleistung passieren, sind darüber abgesichert.
Automatisierter Externer Defibrillator (AED): Diese Geräte sind für Laien gemacht und dürfen von jeder Person im Notfall eingesetzt werden. Sie analysieren den Herzrhythmus automatisch und geben nur dann einen Schock frei, wenn er nötig und sicher ist. Für die korrekte Gerätefunktion ist der Laienanwender nicht verantwortlich. Der Laienanwender ist lediglich verpflichtet das Gerät gem. Anweisung zu verwenden.
Telefonreanimation: Viele Leitstellen geben am Telefon klare Schritt-für-Schritt-Anweisungen, oft inklusive Taktton, leiten zum AED-Einsatz an und helfen bei der Koordination vor Ort. Befolge die Anweisungen der Leitstelle – das verbessert Qualität und Sicherheit.
Kurz gesagt: Du darfst und sollst helfen. Recht und Versicherung schützen dich – und jede Minute mit ruhig ausgeführter, qualitativ guter Wiederbelebung erhöht die Chance von allen Menschen die Wiederbelebt werden müssen.
FAQ – die häufigsten Fragen zum Thema Wiederbelebung Kind
Muss ich beatmen – oder reicht nur Drücken?
Bei Kindern ist die Beatmung besonders wichtig (geringe Sauerstoffreserve). Ideal: 5 Anfangsbeatmungen, dann 30:2. Wenn du dich nicht traust oder es nicht funktioniert: Nur Drücken ist klar besser als gar nichts.
Wie lange muss ich reanimieren/wiederbeleben?
Bis der Rettungsdienst übernimmt oder eindeutige Lebenszeichen auftreten (normale Atmung, zielgerichtete Bewegungen, Husten). Schnappatmung ist keine normale Atmung – im Zweifel weitermachen.
Was ist das richtige Tempo und die richtige Tiefe für die Herzdruckmassage?
100–120 pro Minute, in der Mitte des Brustbeins, ca. ein Drittel der Brustkorbhöhe (Jugendliche wie Erwachsene 5–6 cm). Nach jedem Druck vollständig entlasten.
Wie ist das korrekte Verhältnis zwischen Herzdruckmassage und Beatmung: 30:2 oder 15:2?
Für Laien gilt sowohl bei der Wiederbelebung von Kindern als auch von Erwachsenen das Verhältnis 30:2. Auf 30 Herzdruckmassagen folgen 2 Beatmungen. – Das Verhältnis 15:2 gilt nur, wenn du speziell in Kinderreanimation (PBLS) geschult bist oder die Leitstelle (112) das so anleitet.
Wo und wie genau führe ich eine Herzdruckmassage durch?
Mitte/untere Hälfte des Brustbeins. Bei kleinen Kindern je nach Größe eine oder beide Hände, beim Säugling die Zwei-Daumen-Technik.
Was ist ein Automatisierter Externer Defibrillator (AED) – und darf ich den benutzen?
Ein AED ist ein öffentlich zugängliches Gerät, das den Herzrhythmus prüft und – nur wenn nötig – einen Schock freigibt. Die Schockabgabe selbst erfolgt nur durch Knopfdruck durch die Anwender:innen. Kindermodus, wenn verfügbar; sonst Erwachsenenmodus. Elektroden (Pads) bei kleinen Kindern vorn–hinten (Brust und Rücken), bei Jugendlichen vorn–seitlich.
Wiederbelebung Kind: Soll ich loslaufen und einen Defibrillator holen?
Nur, wenn mehrere Helfende da sind und klar ist, wo er hängt. Niemand lässt ein Kind allein. Der Beginn der Wiederbelebung (bei Kindern zuerst Beatmen) darf nicht verzögert werden.
Was, wenn das Kind bei der Wiederbelebung erbricht?
Kurz unterbrechen, Kopf zur Seite drehen, den Mundraum so gut es geht leeren, anschließend weiter beatmen/drücken.
Was, wenn ich etwas bei der Reanimation kaputt mache?
Wichtiger als alles: Durchblutung lebenswichtiger Organe – vor allem des Gehirns mit sauerstoffangereichertem Blut. Verletzungen des Brustkorbes sind möglich, aber kein Grund aufzuhören, wenn deine Handposition stimmt. Bedenke: Qualität (Tiefe und Entlastung) vor Geschwindigkeit.
Woran merke ich, dass ich mit einer Wiederbelebung aufhören kann?
Nur bei klaren Lebenszeichen (normale Atmung, zielgerichtete Bewegungen, Husten) oder wenn Profis übernehmen (bis sie sich neben dich knien und die Maßnahmen übernehmen). Im Zweifel weitermachen – Herzdruckmassagen ersetzen den Herzschlag des betroffenen Menschen und sind daher unerlässlich. Jede Pause reduziert die Sauerstoffversorgung lebenswichtiger Organe wie z.B. dem Gehirn.
Quellen und weiterführende Links
[1] Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Hilfeleistende – Versicherungsschutz. 2021.
[2] Hecke R. Wer anderen aus einer Notlage hilft, ist dabei gesetzlich unfallversichert. Arbeit & Gesundheit (DGUV). 2024.
[3] American Heart Association (AHA). Highlights of the 2025 American Heart Association’s Guidelines for Cardiopulmonary Resuscitation and Emergency Cardiovascular Care. 2025 (PDF) (Zugriff: 27.11.2025).
[4] Bundesministerium der Justiz (BMJ). § 323c StGB – Unterlassene Hilfeleistung; Behinderung von hilfeleistenden Personen. Gesetze im Internet. 2025. (Zugriff: 27.11.2025).
[5] Deutsches Reanimationsregister (German Resuscitation Registry (GRR)). Öffentlicher Jahresbericht: Außerklinische Reanimation 2024. 2025, (PDF) (Zugriff: 27.11.2025).
[6] Djakow J, Turner NM, Skellett S, Buysse CMP, Cardona F, de Lucas N, del Castillo J, Kiviranta P, Lauridsen KG, Markel F, Martinez-Mejias A, Roggen I, Biarent D; im Auftrag der ERC Paediatric Life Support Writing Group. European Resuscitation Council Guidelines 2025: Paediatric Life Support. Resuscitation 2025.
[7] European Resuscitation Council (ERC). Guidelines 2025 – English (inkl. Kapitel „Paediatric Life Support“). 2025.
[8] Joyner BL Jr, Schexnayder SM, de Caen AR, et al. Part 6: Pediatric Basic Life Support: 2025 American Heart Association and American Academy of Pediatrics Guidelines for Cardiopulmonary Resuscitation and Emergency Cardiovascular Care 2025.
[9] Resuscitation Council UK (RCUK). 2025 Resuscitation Guidelines – Paediatric life support (basic and advanced). 2025.
Über den Autor
Dr. med. Jendrik Quade
Vater & Notarzt – Mit viel Leidenschaft für die medizinische Aus- und Fortbildung von Eltern und Fachpersonal
Dieser Beitrag wurde zuletzt am 05.12.2025 überarbeitet.




